Kroch – ein Leipziger Schicksal

Kroch – ein Leipziger Schicksal

Kroch der Name bleibt, Quelle: Mitteldeutscher Verlag

Buchvorstellung von Johannes Popp

Es sind vor allem zwei Namen, die im Zentrum eines neuen Buchs aus dem Mitteldeutschen Verlag stehen, das sich zunächst mit dem Aufstieg des jüdischen Unternehmens Kroch befasst. Samuel Kroch (geb. 1853 in Breslau, gest. 1926 in Leipzig) zog einen Großhandel für Getreide so erfolgreich auf, dass er 1877 seine eigene Bank gründen konnte. Im Bildteil des Buchs kann man u.a. auch das von ihm gekaufte Wohnhaus in der Leipziger Keilstraße 4-6 sehen, in das er die dort noch heute genutzte Synagoge einbauen ließ oder den 1913 fertig gestellten „Industriepalast“ in der Nähe des Bahnhofs. Sein Sohn Hans (geb. 1887 in Leipzig, gest. 1970 in Jerusalem) stieg 1920 in das Unternehmen ein und eröffnete 1928 das Bankhaus Kroch am Augustusplatz. Bei allen geschäftlichen Aktivitäten hatte er auch immer soziales Engagement im Blick. So beauftragte Hans 1929 den Bau der Kroch-Siedlung in Neu-Gohlis, noch heute ein Paradebeispiel für sozialen Wohnungsbau.

Der Leser erfährt, wie die Krochs 1938 gezwungen wurden, auf ihr Gesellschaftsvermögen zu verzichten und wie Hans Kroch 1939 mit den Kindern zunächst nach Amsterdam, dann nach Argentinien flieht. Seine Frau Ella wurde an der Grenze zu Holland verhaftet und später ermordet.

Erst nach 1990 begann die Aufarbeitung des begangenen Unrechts und die Restitution der enteigneten Kroch-Firmen. Das Buch ist zunächst eine Wirtschaftsgeschichte, aber es ist auch viel mehr: es ist ein Stück deutscher Geschichte, und es ist die bedrückende Geschichte einer jüdischen Familie in Leipzig. Dem Autorentrio – zwei mit der Restitution der Kroch-Firmen befassten Juristen und einer Journalistin – gelingt es einerseits die nüchternen Fakten darzustellen und anderseits einen bewegenden Lesestoff zu präsentieren.

 

Hans-Otto Spithaler, Rolf H. Weber, Monika Zimmermann
Kroch – der Name bleibt
Das Schicksal eines jüdischen Familienunternehmens in Leipzig
160 Seiten mit zahlr. Abb., Hardcover
Mitteldeutscher Verlag, Halle 2018
ISBN 978-3-96311-007-8, Preis: 20,00 €

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.