WN 153: In eigener Sache

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Investruine in der Fregestraße, Foto: Andreas Reichelt

Liebe Waldstraßenviertelbewohner,

„Wird diese Investruine jetzt der BER des Waldstraßenviertels?“, fragte mich schon vor längerem ein Zeitungsreporter. Er meinte damit das seit Jahren nicht fertiggestellte Mehrfamilienhaus an der Ecke Frege-/Waldstraße. Den Vergleich fand ich damals unpassend. Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr so sicher, denn diese „Dauerbaustelle“ ist ein echtes Ärgernis. Vor allem für die Menschen, die dort bereits eine Wohnung gekauft haben. Sie sind regelrecht geprellt, weil sie gutgläubig investiert hatten und bis heute auf die Fertigstellung warten. Bankkredite laufen, bestehende Mieten sind unabhängig davon fällig. Eine unzumutbare Doppelbelastung. Ein Ärgernis aber auch für das ganze Waldstraßenviertel. Der unfertige Rohbau ist einfach ein Schandfleck in einem Stadtgebiet, das so aufwendig und oft auch so liebevoll saniert wurde.

Die Stadt hat hier leider so gut wie keine Handhabe. Eine Lösung kann deswegen eigentlich nur privatwirtschaftlich erfolgen. Denn: Der bisherige Investor müsste sein Projekt aufgeben und einem Weiterverkauf zustimmen, Verträge müssen rückabgewickelt und am Ende ein wahrscheinlich jetzt schon marodes Bauwerk saniert werden. Eine ziemlich komplexe Gemengelage.
Deswegen hoffe ich auf eine private Initiative. Viele Leipziger Bauträger haben mit Unternehmergeist und durchaus auch mit persönlichem Risiko dazu beigetragen, dass die historisch einmalige Gründerzeit-Architektur im Waldstraßenviertel gerettet werden konnte. Eine beachtliche Leistung. Mit den Sanierungen haben diese Bauträger aber auch sehr gutes Geld verdient. Ich fände es deswegen ein bemerkenswertes Zeichen, wenn sich die Leipziger Immobiliengrößen mit ihrem Know-How und ihrer finanziellen Kraft hier zu einer „konzertierten Aktion“ zusammenfinden würden, um dieses spezielle Problem gemeinsam zu lösen.

Das ist viel verlangt, ich weiß. Gleichzeitig denke ich aber, es wäre auch eine gute Gelegenheit, dem Viertel und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ein ungewöhnlicher Weg, der aber ein starkes Symbol für die lebendige Bürgerschaft wäre, die Leipzig immer ausgezeichnet hat.

Ich bin gespannt, ob dieser Vorschlag Gehör findet und verbleibe

Ihr Jörg Wildermuth, Vorstandsvorsitzender,
Bürgerverein Waldstraßenviertel e. V

 

Foto: Andreas Reichelt

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