Wissenswertes über unser Viertel

Wissenswertes über unser Viertel

Zwillingshäuser am Liviaplatz, erbaut 1901 für Hut-Händler Richard Thost und Pelzhändler Wilhelm Praetorius, Foto: Uwe Haß

Von Katja Haß

Das Waldstraßenviertel ist das größte zusammenhängende Grün­derzeitviertel in Deutschland. Die meisten Häuser entstanden zwischen 1860 und 1900 nach umfangreichen Regulierungsmaßnahmen. Seit rund 120 Jahren sieht das Viertel mit seiner Bebauung so aus, wie wir es heute kennen und schätzen. Zum Viertel gehören heute 32 Straßen und rund 800 Gebäude, wovon mehr als 80 Prozent unter Denkmalschutz stehen.

Architektur
Viele faszinierende Architekturdetails wie zum Beispiel Stuckdecken, aufwendig bemalte Treppenaufgänge, liebevoll gestaltete Türen, Buntglasfenster und farbige Kacheln sind im Waldstraßenviertel original erhalten, denn der Stadtteil wurde im 2. Weltkrieg weitestgehend von Zerstörungen verschont. In der Nachkriegszeit wurde er aus wohnungsbaupolitischen Gründen nicht saniert, die alte Bausubstanz blieb dadurch erhalten. So kann man heute die nach der Wende sanierten Wohnhäuser und Villen mit Erkern, Türmchen und aufwendigen Fassadenverzierungen bewundern. Bei der Sanierung griff man auf die Unterlagen des Leipziger Bauaktenarchivs zurück. Ziel war die Wiederherstellung des Originalzustandes.

Das älteste erhaltene Gebäude des Viertels, die Lorzingstraße 7/9, stammt aus dem Jahr 1832. Das größte ursprünglich als Wohnhaus errichtete Gebäude (1865) ist die Thomasiusstraße 1, heutiger Sitz des Kommunalen Sozialverbands Sachsens. Auch das teuerste Haus in Leipzig laut Kaufpreisen für Eigentumswohnungen findet sich im Waldstraßenviertel: der Neubau Christianstraße 2, erbaut 2014.

Bewohner
Entlang der mittelalterlichen Handelsstraße via regia (heutige Jahnallee) siedelten im 7. Jahrhundert einige wenige slawische Siedler vor den Toren der Stadt. Auch Fischer, Gerber und Leineweber hatten sich im Gebiet des heutigen Waldstraßenviertels angesiedelt und nutzten das Wasser. Einige Teile der Vorstadt wurden als Wiesen und Weiden und ab dem 19. Jahrhundert von wohlhabenden Leipziger Kaufleuten als privates Gartenland genutzt.

Mitte des 19. Jahrhunderts bauten überwiegend Kaufmannsfamilien Häuser im Viertel: Erste Großbanken gab es erst ab 1870, sodass die Häuser kaum kreditfinanziert waren, sondern mit dem Geld gebaut wurden, dass man während seiner Berufstätigkeit erwirtschaftet hatte. Ein Haus ließ man sich mit zirka 50 Jahren als Altersabsicherung bauen, denn die Rentenversicherungspflicht wurde erst 1890 eingeführt. Das Haus bewohnte man oftmals mit der Verwandtschaft. In nachfolgenden Generationen kamen auch Fremde ins Haus. Nach der regen Bautätigkeit war das Waldstraßenviertel um 1900 ein sozial durchmischtes Viertel. Hier wohnten Kaufleute, Lehrer, Beamte, Universitäts- und Reichsgerichtsangestellte, Händler und Handwerker. Rund zehn Prozent der Bewohner waren jüdischen Glaubens.

Im Laufe der Geschichte haben viele prominente Bewohner im Waldstraßenviertel gelebt, darunter die Musiker Gustav Mahler und Julius Blüthner, der Künstler Max Beckmann, der Literat Joachim Ringelnatz, die Frauenrechtlerin Auguste Schmidt und die erste Berufsfotografin Deutschlands Bertha Wehnert-Beckmann. Laut dem aktuellen Statistischen Jahrbuch der Stadt Leipzig leben heute rund 10.500 Menschen im Waldstraßenviertel, das sind rund 2 Prozent der Leipziger Bevölkerung. Knapp 6.000 Wohnungen zählen zum Viertel. Es gibt doppelt so viele Kraftfahrzeuge wie Kinder im Viertel. Mehr als jeder dritte Bewohner besitzt eines der 3.962 Kraftfahrzeuge. Im Waldstraßenviertel sind 2.109 Kinder unter 18 Jahren gemeldet.

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