Und dann kam Ingrid

Und dann kam Ingrid

Ingrid Pietrowski; Foto: Andreas Reichelt

Von Petra Cain

Als der Bürgerverein 2012 über die Freiwilligenagentur Hilfe im Büro suchte, meldeten sich mehrere Personen und schauten sich an, was der Verein konkret von ihnen erhoffte. Darunter war Ingrid Pietrowski, die als Einzige glaubte, dass diese Aufgaben und dieses Umfeld zu ihr passen könnten. Die gelernte Maschinenbauingenieurin hatte nach der Wende ihren Arbeitsplatz verloren, dann eine Umschulung zur EDV-Trainerin absolviert und war lange Jahre als Angestellte in der Erwachsenenweiterbildung tätig. Die Arbeit im Büro des Bürgervereins interessierte sie, weil sie dort die Chance sah, direkt mit Menschen zu tun zu haben – in welch vielfältigen Formen das zutraf, konnte sie damals noch nicht ahnen.

Sechs Jahre später weiß sie es und ist überzeugt, dass sie 2012 die richtige Entscheidung traf. Sie ist zwar in Markkleeberg geboren, fühlt sich aber als Leipzigerin, da sie ihr ganzes Leben in dieser Stadt verbracht hat. So gefällt es ihr natürlich, dass sie neben Martina Hänsel eine der wichtigsten Stützpfeiler in einem Verein geworden ist, der die Interessen von Leipziger Bürgern vertritt. Zuerst ehrenamtlich, dann mit einem Mindestlohnvertrag und schließlich seit April 2016 im Rahmen eines Förderprogramms des Bundes „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt – Stadtteilarbeit zur Verbesserung der Bürgernähe“ mit einem Arbeitsvertrag über 20 Stunden pro Woche, kümmert sie sich um alles, was im Bürgerverein so anfällt.

Wenn man mit ihr spricht, merkt man, dass es die Vielfältigkeit der Aufgaben ist, die ihr gefällt. Und wer ihr zuhört, ist erstaunt, was alles durch das Büro bewältigt wird.

Da sind einmal die grundlegenden Funktionen: zweimal in der Woche ist unser Büro für zwei Stunden geöffnet und Anlauf- bzw. Anrufstelle für unsere Mitglieder und alle anderen, die nicht ausschließlich über E-Mail kommunizieren. Aber auch diese Korrespondenz wird erledigt, Nachrichten an die zuständigen Mitglieder weitergeleitet, Pressemitteilungen und Rundmails an die Mitglieder geschickt. AG-Leiter und andere werden sehr freundlich und vor allem rechtzeitig an ihre Pflichten erinnert.

Je nach Saison geht es im Büro aber auch ganz praktisch zu, z.B. müssen die Lotteriepreise für die Tombola beim Funkenburgfest sortiert, Kalender verkauft und regelmäßig die Waldstraßenviertel NACHRICHTEN zum Versand eingetütet werden. Es wird nie eintönig, erzählt Ingrid. Nicht missen möchte Ingrid Pietrowski die Hilfe bei der Organisation und die Teilnahme an den jährlichen Höhepunkten. Vom Neujahrsempfang über das Funkenburgfest, dem Ausflug zu einem Ziel in der näheren Umgebung bis hin zur Weihnachtsfeier, Ingrid Pietrowski ist immer dabei. Dadurch ist sie inzwischen im ganzen Viertel bekannt. Menschen kommen auch auf der Straße auf sie zu und schildern ihre Anliegen. Helfen kann sie nicht immer, aber sie spürt dann die Wertschätzung ihrer Arbeit.

Ingrid Pietrowski feierte im August dieses Jahres ihren 65. Geburtstag, das Förderprogramm läuft Ende des Jahres aus. Aus Eigenmitteln kann der Verein niemanden einstellen. Selbst wenn es dem Vorstand gelingt, neue Fördermöglichkeiten zu finden, kann Ingrid Pietrowski sie nicht wahrnehmen, da sie demnächst in Rente geht.

So schließt sich leider der Kreis und sie kehrt zurück zu ihren Anfängen bei uns, also ins Ehrenamt. Und wir sind wieder auf der Suche nach weiterer Hilfe im Büro, für Ingrid und Martina und den ganzen Verein.

 

Foto: Andreas Reichelt

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