Häuser-Geschichten Ehemaliges Kinderheim

Häuser-Geschichten Ehemaliges Kinderheim

Zöllnerweg 6, erbaut 1939 als Kinderheim, umgebaut 2005, Foto: Uwe Haß

Von Katja Haß

Die Stadt Leipzig baute 1939 den Zöllnerweg 6 als Kinderheim. Das schlichte, schiefergedeckte Gebäude liegt abseits hinter dem Mückenschlösschen im Rosental und war und ist das einzige Gebäude im Zöllnerweg. Im Leipziger Adressbuch von 1939 ist es verschleiernd als Jugendherberge angegeben, im gleichen Jahr ist Fritz Zeidler in verschiedenen Verzeichnissen einmal als Herbergswart und einmal als Heimwart des Zöllnerweg 6 geführt.

Auch in der DDR war der Zöllnerweg 6 ein Kinderheim. Anfänglich lebten hier 15 Kinder, später bis zu 40. Im ersten Jahrzehnt der DDR war es ein Spezialkinderheim für sogenannte schwer erziehbare Kinder mit „normaler Schule“ (nicht Hilfsschule).

Ab den 1960iger Jahren war es ein Spezialkinderheim mit dem Namen „Weg ins Leben“ für geistig behinderte Kinder mit Fördergrundschule. Das bedeutet, dass die Mädchen und Jungen für den Schulbesuch den Zöllnerweg 6 nicht verließen und relativ isoliert lebten. 1974 verfügte nur ein Lehrer im Zöllnerweg über eine Qualifikation als Sonderschullehrer. 1984 waren mehr als die Hälfte des Heimpersonals zwangsabgeordnete Studienabsolventen (Berufsanfänger), denn in der DDR war es schwer, Personal für Kinderheime zu bekommen. Der Fond Heimerziehung in der DDR und dessen Beratungsstellen widmen sich der Geschichte von DDR-Kinderheimen und deren Aufarbeitung.

Nach der Wende wurde das Haus von der Jugendhilfe der Stadt Leipzig für eine Tagesgruppe genutzt. Es war stark baufällig, wurde verkauft und 2005 umfangreich umgebaut. Aus dem L-förmigen Gebäudekomplex mit Haupthaus, Aufenthalts-, Schlafräumen und Küchentrakt entstanden Reihenhäuser mit Eigentumswohnungen und eigenen Gärten.

Foto: Uwe Haß

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