Fünf Stolpersteine vor der Färberstraße 16

Von Jörg Philipp, Quelle: www.stolpersteine-leipzig.de

Sie erinnern an die Familie Haber, letztmalig im Adressbuch 1939 eingetragen.

Leon Arye-Labe Haber wurde 1888 im galizischen Perechinsko geboren. Mit seiner Frau Rachel Fink zog er nach der Heirat ins Ruhrgebiet.

1922 wurde Batia Babette geboren, 1925 die Zwillinge Armin Abraham und Joachim Jacob, 1927 Josef. Die Familie lebte in Wohlstand, sodass auch ärmere Verwandte aus Galizien im Haushalt aufgenommen werden konnten. Mit der Wirtschaftskrise verschlechterte sich die Erwerbssituation der Familie. Sie zog 1931 nach Leipzig, um eine neue Existenzgrundlage zu begründen. Die Kinder besuchten die Carlebach-Schule. Der Vater arbeitete als Verkäufer in der Textilbranche. Die Kinder der Habers wurden Mitglieder in der zionistischen Jugendorganisation „Misrachi”, deren Treffpunkt das Jüdische Jugendheim in der Elsterstrasse in Leipzig war. Die Söhne sangen im Chor der orthodoxen Synagoge. Die älteste Tochter Batia hatte inzwischen Kontakt zu der Hadassah Foundation/Youth Aliyah aufgenommen, die sich zum Ziel gemacht hatte, jüdische Jugendliche aus Deutschland zu retten und nach Israel zu bringen. Sie konnte auf diese Weise später emigrieren.

Am 28.10.1938 wurde die Familie in den frühen Morgenstunden aus der Wohnung geholt und unter Zurücklassen all ihrer Habe nach Polen deportiert. 1939 bekam Batia die Erlaubnis, nach Israel zu emigrieren. Nach einem Zwischenaufenthalt in Leipzig reiste sie über Italien nach Triest und bestieg dort das Schiff. Bis zur deutschen Invasion in Russland hatte sie Briefkontakt zu ihrer inzwischen in Lvov (Lemberg) lebenden Familie. Im Sommer 1941 wurde Lvov von der Wehrmacht eingenommen. Anschließend ermordete man die jüdische Bevölkerung. Leon Arye-Labe Haber war damals 56 Jahre alt, seine Frau Rachel 51, die Zwillinge Armin Abraham und Joachim Jacob 16 und Josef 14 Jahre.
Diese Informationen beruhen auf den Erinnerungen der ältesten Tochter Batia, der einzigen Überlebenden der Familie. Sie erzählte ihren deutschen Freunden, dass sie eigentlich immer nur habe vergessen wollen. Nach Deutschland wollte sie nie wieder.

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