„Einen Kaffee und diesen Stuhl bitte“

„Einen Kaffee und diesen Stuhl bitte“

Cafe Lauritz; Foto: annabellesagt.de

Johanna Rebers (27) lebt seit fünf Jahren in Leipzig. Sie und Valeska Hoischen (31) haben im Waldstraßenviertel das Café lauritz eröffnet. Mit ihrem ganz eigenen Konzept gehen die Kommunikationsdesignerinnen neue Wege: Sie verbinden Kaffee- und Kuchengenuss mit Produktdesign, spielen stimmungsvoll mit Farbe und Einrichtung. Stilsicher haben sie einen Raum der Begegnung und des Erlebens geschaffen, der einzigartig, chic und zugleich authentisch ist – einen Platz für jedermann. Das Besondere: Das Interieur kann man kaufen. Wir sprachen mit Johanna Rebers über das neue Café im ehemaligen Antiquitätengeschäft auf der Hinrichsenstraße 30.

Seit Anfang des Jahres ist das Café lauritz eröffnet. Wie wird es angenommen? Glücklicherweise sehr gut. Vor allem am Wochenende ist das Café gut besucht. Wir haben sehr viel Zeit und Mühe hineingesteckt, um hier einen Ort der Begegnung zu schaffen. Einen Platz, an dem man sich wohlfühlt. Das gibt es im Waldstraßenviertel in dieser Form noch nicht. Wir freuen uns sehr, dass die Menschen uns besuchen, neugierig sind, fragen, Kaffee trinken, Kuchen essen…

Wer kommt hierher? Unsere Hauptzielgruppe sind die Menschen, die im Viertel leben. Das sind Familien, Paare, Studenten, Ältere und Jüngere, Männer und Frauen – also ein bunter Mix und das ist, was wir wollen. Eben ein Café für jedermann. Deshalb haben wir schon bei der Farbgestaltung und Einrichtung darauf geachtet, dass alle sich hier wohlfühlen. Das warme Grün ist neutral und einladend, das Mobiliar hochwertig und einfach zugleich.

… und alle Einrichtungsgegenstände kann man kaufen. Ja, das ist unser Konzept: Wir schenken nicht nur Kaffee und Kuchen aus, auch zum Beispiel die Stühle, Tische und Leuchten können erworben werden. Es sind Möbelstücke von Designern, Handwerkern und Künstlern aus Deutschland. Es ist uns wichtig „den Kleineren“, den Individualisten, eine Plattform zu geben, auf der sie ihre Arbeiten zeigen und verkaufen können. Wir gehen ganz bewusst weg von den großen Möbelhäusern.

Das heißt, wenn ich den Stuhl, auf dem ich sitze, schön und bequem finde, kann ich ihn bei Ihnen kaufen und mitnehmen?
Genau. Zusätzlich gibt es hier an der Wand Info-Kärtchen, auf denen die Möbelstücke zu sehen sind und man erfährt, wer sie hergestellt hat und was sie kosten. Die Designer stellen uns einige ihrer Möbel zur Verfügung und, wenn wir sie verkaufen, dann kümmern wir uns um neues Mobiliar. So wird sich der Raum immer wieder verändern – nur die Theke ist nicht verkäuflich.

Haben Sie schon Möbel verkauft? Ja, drei Stühle.

Was ist das Besondere an den ausgewählten Möbelstücken? Es sind praktische Designer-Stücke, die für die Ewigkeit gebaut sind. Sie bestehen aus wenigen Bauteilen, haben meist klare Formen und sind teilweise ohne Schrauben. Echte Handarbeit eben. Nachhaltigkeit ist unser Anliegen, weg von dieser Wegwerf-Mentalität und abseits von Online-Käufen. Auch bei der Kaffee- und Kuchenauswahl setzen wir auf regionale Anbieter. Das ist uns sehr wichtig. Wir beziehen unsere Produkte aus der Nachbarschaft und achten auf Qualität. Das schätzen unsere Gäste und wir freuen uns über jedes Feedback, konstruktive Kritik eingeschlossen.

Welche Art von Rückmeldung erhalten Sie von den Besuchern? Wie ihnen der Kuchen geschmeckt hat, wie ihnen die Einrichtung gefällt. Solche Dinge. Das hilft uns sehr. Wir freuen uns wie verrückt, wenn wir Lob für unsere Arbeit bekommen und nehmen Kritik dankbar auf, um es besser zu machen. Schließlich sind wir noch in der Probierphase. Was kommt gut an, was nicht. Entsprechend reagieren wir. Das ganze Konzept ist aus einem kompletten Bauchgefühl heraus entstanden und wird stetig weiterentwickelt.

Sie stammen aus Hannover, Ihre Geschäftspartnerin aus Aachen. Was ist für Sie das Besondere an Leipzig? Mein erster Job hat mich vor fünf Jahren in die Stadt geführt und ich war fasziniert. Leipzig ist so authentisch, nicht so abgehoben wie andere Großstädte. Besonders in der Kreativszene gibt es viele Freiräume. Auch als junger Mensch kann man hier Träume verwirklichen.

Es fragte Julia Polony

Fotos: annabellesagt.de

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