Die VILLA – am Rande und mittendrin

Die VILLA – am Rande und mittendrin

Die Villa, Foto: Maria Geißler

Von Maria Geißler

 

Das Soziokulturelle Zentrum VILLA ist eine Jugend-, Kultur- und Sozialeinrichtung am Rande unseres Viertels. Das Gebäude in der Lessingstraße 7 beherbergt rund 50 Vereine und Organisationen. Träger ist die gemeinnützige LeISA GmbH, die inhaltlich auf die Schwerpunkte Soziokultur und gesellschaftliche Teilhabe, musische Bildung und Jugendkultur, Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, Medienbildung und Jugendschutz sowie Europa und Engagement setzt. Die Finanzierung der VILLA erfolgt etwa zur Hälfte durch die Stadt Leipzig (z.B. durch Projektförderungen) und zu ungefähr einem Drittel durch Teilnehmerbeiträge, Vermietung, Einnahmen aus der Gastronomie, Spenden oder andere eigene Einnahmen. Der Rest kommt durch das Land Sachsen, den Bund, die EU und Stiftungen.

Ihren räumlichen Ursprung hat die VILLA im Musikviertel. Dort wurde 1990 der gemeinnützige Verein Villa e.V. gegründet und wenige Zeit später offiziell als erster Träger der Freien Jugendhilfe in Leipzig anerkannt. In den nächsten Jahren entwickelte sich das Angebot für Jugendliche und Kinder immens: Comic- und Grafitti-Workshops, Märchenbälle, ein Jugendcafé, ein Videomagazin von Jugendlichen für Jugendliche u.v.m. 1998 zogen alle Nutzer in die Lessingstraße um. Renovierungen folgten, die Fenster wurden ausgetauscht und neue Technik installiert.

Das Angebot ist in den letzten Jahren stark erweitert worden. Stand am Anfang die Jugendarbeit im Mittelpunkt, reicht es nun von der musikalischen Früherziehung über eine Mitmachwerkstatt für alle Altersgruppen bis zum Steptanz für Senioren. Es gibt ein Labor für die Förderung des zeitgenössischen Tanzes, einen Medienbereich, in dem neben Computernachmittagen, Smartphone-Kursen und Filmwerkstätten auch Foto-Workshops für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen stattfinden. Eine Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt öffnet jeden Tag und im Keller können junge Bands proben. Es gibt einen Kinder- und Jugend-Treff sowie diverse Sprachprojekte für Flüchtlinge. Außerdem locken regelmäßig Angebote wie Poetry-Slam, Open Stage und Spiele-Abend in die VILLA. Von den über 85.000 Besuchern im Jahr 2016 waren ca. die Hälfte Kinder und Jugendliche, die andere Hälfte Erwachsene und Senioren. Das Angebot ist sehr vielfältig und inzwischen gibt es auch regelmäßig Veranstaltungen an Projektstandorten im Leipziger Osten und in Grünau.

Bei so viel Engagement fiel die VILLA natürlich auf und erhielt in den letzten Jahren Preise, z. B. 2012 den Bewegungskunstpreis für die Produktion „Connection Impossible“ und 2014 den Konzeptpreis „Barriere? Frei!“ für ihr inklusives Konzept. 2016 bekam die VILLA eine der höchsten Auszeichnungen im sozio-kulturellen Bereich, den Sächsischen Preis für Soziokulturelles Engagement von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, für ihre „vorbildlichen Integrationsprojekte“ wie die wöchentlichen Sprachabende, das Sprachtandem-Leipzig und das Projekt „Willkommen in Leipzig“, das mit Sprachkursen, Lernpatenschaften und Unterstützungsangeboten für die Freizeit hunderte ehrenamtliche Leipziger Bürger ermutigt, Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, beim Einleben in unserer Stadt zu begleiten.

Seit letztem Herbst wird im Erdgeschoss der VILLA wieder gebaut. Hier soll bis spätestens zum Frühsommer ein „richtiger“ Hausempfang entstehen, der Weg in den Keller verkürzt und im Erdgeschoss der Traum von einem kleinen Café verwirklicht werden. Rein räumlich mag sich die VILLA vielleicht am Rande des Viertels befinden, inhaltlich liegt sie jedoch mittendrin. Vielleicht schauen Sie mal vorbei?

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